Ja, nur wenn man zurückblickt wird einem bewusst wie schnell doch alles vorbei geht. Das erste Jahr wird oft als das härteste Jahr mit Baby bezeichnet. Und auch für mich war es das. Vor allem die Umstellung zur Vollzeitmama war irgendwie hart. Man kann sich das vorher nicht vorstellen. Erst wenn man selbst in der Situation steckt merkt man, wie sehr man doch das eigene Leben und die eigenen Bedürfnisse und Wünsche in den Hintergrund rücken muss. Diese riesige Verantwortung und Überforderung sind für viele überwältigend.
Allmählich kommt aber die Freiheit von “früher” Stück für Stück zurück. Zwar ist es nach einem Jahr noch lange nicht so wie man es einst kannte, es wird aber immer mehr und zudem gewöhnt man sich als Mensch ja schließlich an alles...
Doch auch das Ende der Elternzeit rückt näher. Meine Elternzeit war ein Jahr und zwei Monate lang. Ich denke mal, dass viele Mamas oder Familien aus finanziellen Gründen ein Jahr Elternzeit wählen. Ja, es ist kurz und das Kind ist noch so klein. Vieles hat sich noch nicht so richtig eingependelt. Ich habe mir z.B. schon Monate vorher Sorgen gemacht, wie das mit seinem Schlaf funktionieren soll. Ich dachte, er wird niemals ohne mich schlafen….
Es ist nicht leicht auf einmal für einige Zeit von seinem “Baby” getrennt zu sein wenn etwas noch nicht ganz klappt.
Wieder arbeiten nach der Elternzeit - so machen wir das
Ich habe mich dazu entschieden am Anfang erstmal nur das absolute Minimum zu arbeiten. Das sind 15 Stunden in der Woche verteilt auf drei Tage. Für zwei Tage habe ich eine super liebe Tagesmami gefunden. Die Familie hat selbst zwei kleine Kinder und einen Hund. Und sie ist vom Wesen her eine ganz liebe, ruhige und zuversichtliche Person. Am dritten Tag kommt die Oma und spielt ausgiebig mit dem kleinen Zwerg. Da hat er gar nicht so viel Zeit die Mama oder den Papa zu vermissen.
Soweit klingt das alles ganz easy. Ist es eigentlich auch… Die Eingewöhnung bei der Tagesmutter lief total problemlos und wenn die Oma da ist, ist sowieso alles gut. Doch am Morgen sind kleine Kinder noch sehr anhänglich, wollen kuscheln und am liebsten erstmal nicht aufstehen. Sowieso wenn sie erkältet sind oder ein Zähnchen kommt oder irgendetwas anderes los ist - und das ist es ja bekanntlich immer.
Nach zwei Monaten hat er angefangen morgens beim abgeben zu weinen. Das war für mich und für meinen Mann ganz arg schrecklich. Auch wenn wir sofort beruhigende Nachrichten von der Tagesmami bekommen haben, dass alle zusammen ihn getröstet haben und er jetzt spielt. Ich persönlich finde, es geht einem einfach den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf. Das schlechte Gewissen nagt. Im Grunde weiß man ja, dass das Kind eigentlich viel lieber bei den Eltern daheim bleiben wollte. Und sie noch so klein sind, dass sie es nicht verstehen. Vielleicht fürchten sie sogar, dass Mama und Papa es nicht mehr lieb haben… - so die Gedanken, die einen umtreiben...
Ich hoffe, dass ist nur eine Phase, so wie alles, und das legt sich mit der zeit wieder. Denn ich höre von vielen, dass die Kinder sehr gerne in die Betreuung gehen und sich auf die anderen Kinder freuen. Vorausgesetzt natürlich es gibt keine Probleme dort!
Mein Tagesablauf wenn ich arbeiten gehe
Ich stelle meinen Wecker am Handy auf 6:00 Uhr. Meistens höre ich es sofort und der Kleine nicht, so dass er weiter schlafen kann. Er schläft nachts noch bei mir mit im Bett.
Ich stille ihn dann nochmal, so dass er schön tief schläft und ich hoffentlich unbemerkt aufstehen kann. Das dauert meistens nochmal so 20 Minuten. Ich kann mich dann in Ruhe fertig machen während ich ihn mit der BabyCam beobachte. Wir müssen da schon aufpassen, da unser Elternbett ja schon ziemlich hoch ist und er unter Umständen rausfallen könnte.
Dann wecke ich meinen Mann auf. Ich möchte gern um 7:00 Uhr das Haus verlassen. Dh, er muss aufstehen und weiter die BabyCam kontrollieren, während auch er sich fertig macht. Und so viel Zeit ist nun auch gar nicht mehr, denn um 7:40 Uhr müssen die beiden los fahren zur Tagesmutter. Er muss dann den Kleinen fertig machen. Die Windel wechseln, ihn ein bisschen waschen und anziehen. Er bietet ihm dann noch eine kleine Flasche mit Fertigmilch an und chillt noch mit ihm für 10 Minuten solange er sie trinkt (wenn er sie haben möchte).
Ich arbeite dann bis ca.12:30 Uhr und hole ihm um 13 Uhr bei der Tagesmutter ab. Dann ist er meist schon so richtig müde. Er schläft schon auf der Heimfahrt im Auto ein. Manchmal kann ich ihn schlafend hoch tragen und ins Bett legen. Manchmal auch nicht. Dann lege ich mich nochmal dazu, stille ihn und wir kuscheln bis er schläft. Normalerweise schläft er dann so 2-3 Stunden.
Eigentlich möchte ich ihn nicht länger als bis 15:30 Uhr schlafen lassen da es sonst abends so spät wird. 5 besser 6 Stunden zwischen den Schläfchen braucht er schon, dass er ausreichend müde ist und mir im bett nicht auf der Nase herum tanzt...
Was hat sich seit der Tagespflege verändert?
Seit wir ihn in Betreuung geben ist der Kleine wieder anhänglicher geworden. Da ich ihn ja noch stille möchte das er jetzt wieder häufiger. Und auch die Zeit in der ich mit ihm zusammen bin wird intensiver genutzt um zu spielen und zu kuscheln.
Ich merke auch wie wir uns aufeinander freuen wenn ich ihn wieder abhole. Das ist total schön!
Ansonsten gibt es aber nicht viele Veränderungen.
Meine Tipps für einen stressfreien Start in die Arbeitswelt
1) Tagesmutter oder Kita gut aussuchen
Das ist der wichtigste Punkt denn gerade bei einer Tagesmutter ist die Betreuung Vertrauenssache. Es gibt keine andere Pflegeperson die “mit guckt” was die Kollegin macht. Wie sie beispielsweise mit den Kindern umgeht. Trotzdem war mir eine (gute) Tagesmutter viel lieber als eine Kita.
Warum?
Z.B. weil mein Sohn noch in einem Alter war, in dem Babys bzw. Kleinkinder vormittags noch schlafen. Eine Tagesmutter hat viel eher die Möglichkeit, sich speziell darum zu kümmern. Unsere hat ihn ins Tragetuch genommen wenn er müde wurde oder mit den Kindern ein ruhigeres Programm gemacht. Sie hat das Wohnzimmer etwas abgedunkelt, sich mit den Kleinen aufs Sofa gekuschelt und etwas vorgelesen. Das finde ich echt toll und sehr wertvoll!
Auch wenn er weint kann sie viel besser auf seine Bedürfnisse eingehen als das in einer Kita möglich wäre. Es ist einfach viel Familiärer und er ist dort mittlerweile so toll integriert.
2) Erstmal langsam starten wenns geht
Die Eingewöhnung startet ja in aller Regel sowieso langsam. Anfangs ist man noch die ganze Zeit dabei und nach ein paar Mal eine Weile weg, aber noch verfügbar. Das steigert sich dann, je nach dem wie gut das Kind mitmacht. Nach 4 Wochen sollte es dann soweit sein, dass man die ganze Zeit wegbleiben kann. Aber auch da finde ich, dass jedes Kind einfach anders ist und sollte das nicht so richtig klappen würde ich persönlich empfehlen dem Kleinen einfach mehr Zeit zu geben. Daher - frühzeitig starten. Vielleicht schon 3 Monate vor Arbeitsbeginn damit man dann nicht einfach “weg” ist wenn es noch nicht so recht klappt.
Auch von den Stunden und Tagen her finde ich es persönlich besser, die ersten Monate weniger Betreuung in Anspruch zu nehmen. Vorausgesetzt das ist mit dem Arbeitgeber möglich. Wir haben mit 2x Tagesmutter und 1x Oma zu je 5 Stunden gestartet. Dann kann es ja auch gesteigert werden.
Ich denke, dass auch Mama und Papa das brauchen. Denn auch für die Eltern ist die Trennung erstmal nicht so leicht.
3) An Betreuungstagen früh aufstehen
Es ist einfacher sich selbst zuerst fertig zu machen und danach das Kind. Also am Besten aufstehen solange der Nachwuchs noch schläft und sich selbst gemütlich startklar machen.
Das klappt bei uns manchmal ziemlich gut, manchmal aber auch nicht. Mein Wecker klingelt um 6 Uhr. Wenn mein Sohn den Wecker auch hört und wach wird, stille ich ihn nochmal im bett und hoffe, dass er wieder einschläft. Dann stehe ich gegen 6.30 Uhr auf. Die Schwierigkeit liegt hierbei darin, selbst nicht wieder einzuschlafen ;) Dann nehme ich das Babyphone und habe so die Kontrolle darüber wann er aufwacht. Um 7 Uhr möchte ich das Haus verlassen und mein Mann kümmert sich um alles Weitere.
Wenn das so nicht klappt und der Kleine mit mir aufsteht ist es etwas schwieriger, aber natürlich auch machbar. Dann komme ich aber unter Umständen später aus dem Haus.
4) So viel wie möglich am Vorabend hinrichten
Ganz klar! Das ist ein Muss. Am Morgen ist es sehr viel entspannter wenn man nicht über Klamotten oder Frühstück nachdenken muss.
Meine Liste an Dingen die ich hinrichte:
- Klamotten für mich selbst
- Klamotten für das Kind
- Wechselkleidung (evtl. auch Windeln), die zur Tagesmutter mitgenommen werden müssen
- Trinkbecher oder Flasche spülen
- evtl. Snacks oder Frühstück hinrichten das mitgenommen werden soll
- Handtasche mit Schlüssel, Arbeitsausweis, Geldbeutel, Handy, …
Alles was mit soll stelle ich an der Haustür bereit und muss beim gehen nur noch geschnappt werden. Am Morgen ist nicht mehr viel zu tun. Außer uns eben zu richten muss nur noch der Trinkbecher mit frischem Wasser gefüllt werden. Organisation ist alles :)
5) Ganz viel gemeinsame Kuschelzeit und Spielzeit an freien Tagen
Ich finde es wichtig die gemeinsame Zeit intensiv zu nutzen. Kuscheln, lachen, miteinander reden (bzw. ich rede, der Kleine hört zu und brabbelt evtl. in Babysprache), spielen, raus gehen...
6) Locker bleiben
Alles wird einfacher. Und alles geht vorbei!
In schwierigen Zeiten sollte man sich das immer vor Augen führen. Alte Bilder oder Videos anschauen hilft da ganz gut. Probleme von Heute sind bald Schnee von gestern. Also einfach durch und das Beste draus machen. Sobald man mal eine Lösung gefunden hat kann es sein, dass das Problem gar nicht mehr existiert.
Das Kind wird auch älter und versteht mehr. Viel Liebe rein stecken und Geduld haben. Tieeeef durchatmen und versuchen jede Sekunde zu genießen!
7) Selbst guter Dinge sein
Hat man selbst Bedenken die nicht gerechtfertigt sind darf man diese nicht dem Kind zeigen. Denn diese Bedenken übertragen sich aufs Kind.
Ein Beispiel: Man gibt das Kind ab und hat ein schlechtes Gewissen. Da sollte man die Verabschiedung nicht unnötig in die Länge ziehen.
Oder: Vielleicht hat man ein persönliches Problem mit der Tagesmutter/Kita/dem dortigen Tagesablauf/dem verwendeten Spielzeug/anderen Kindern usw. Wichtig ist, das nicht in Gegenwart des Kindes zu klären. Denn spricht man schlecht über etwas vor dem Kind kann es sein, dass das Kind das annimmt und keine Lust mehr hat dorthin zu gehen.
Gibt es allerdings einen Verdacht auf schlimme Dinge die während der Betreuung passieren, dann reagiert sofort und tut das nicht ab. Redet mit den Betreuungspersonen und anderen Eltern und wechselt im Notfall die Betreuung!
Wie war das bei euch? Erzählt doch mal!