Ende Mai 2019. Mein kleiner Liebling ist jetzt fast 11 Monate alt. Zieht sich hoch in den Stand, bekommt gerade die oberen Schneidezähne - angefangen beim linken Eckzahn (!?) und er ist neugierig ohne Ende. Am liebsten möchte er den ganzen Tag auf den Arm und mich mit seinem kleinen Fingerchen, mit dem er auf alles Mögliche zeigt, durch die Gegend dirigieren. Irgendwie mega süß aber auch anstrengend!

Schlafen...? Vöööllig überbewertet! Ich weiß nicht ob es an den Zähnchen liegt, die ihm sehr zu schaffen machen und offensichtlich ziemlich schmerzen, oder an einem Entwicklungsschub (der aber nach dem Buch von Frans X. Plooij und Hetty van de Rijt "Oje, ich wachse! " schon seit über einer Woche rum sein sollte).

Naja, wie auch immer, ich bin heute jedenfalls ein wenig down. Ich finde, es gibt so Tage, da ist es als würde ein dunkler Schatten über dem Tag liegen. Egal was man macht, es fühlt sich einfach alles komisch an. Ich kann es gar nicht richtig erklären. Es ist so ein "fremdes" Gefühl. Ein trostloses Gefühl irgendwie... Klingt jetzt wohl echt dramatisch. Aber ganz so schlimm ist es nicht ;-)

Heute morgen um 5 Uhr war der kleine Rabauke schon fit wie ein Turnschuh. Während ich kaum die Augen auf bekommen habe, ist er im Bett eifrig über mich drüber gekrabbelt, an mich hin gerollt und wieder weg, hin zur Küken-Lampe* um sie an- und auszuschalten und zur Spieluhr, die er seit einiger Zeit selbst schon aufzieht. Richtig tief einschlafen darf ich dann nicht. Denn wenn ich nicht aufpasse könnte er aus dem Bett fallen. Ich habe das Bett zwar recht gut abgesichert mit einem Bettgitter auf der einen Seite, sämtlichen Stillkissen und dem Beistellbettchen auf der anderen Seite, in das er natürlich schon lange nicht mehr rein passt, aber das ist immer weniger ein Hindernis für ihn.

Irgendwann gegen 6 Uhr sind wir dann wieder eingenickt und haben bis 8.30 Uhr geschlafen. Das ist zu lang gewesen denn dadurch hat jetzt das Vormittagsschläfchen gegen 10 Uhr nicht geklappt. Obwohl er enorm müde war. Ich habe alles versucht. Singen, Schnarchen vortäuschen, im Arm schaukeln, Globuli, Zahngel, Schmerzzäpfchen, ... nichts. Er hat sogar so arg geweint wie sonst nie. Nur aufstehen und ablenken hat gegen das weinen geholfen. Ich wusste echt keinen anderen Rat mehr als Autofahren. Gegen 11.30 Uhr bin ich also mit ihm los gedüst und siehe da - eingeschlafen. Ich bin dann eben gezwungenermaßen eine halbe Stunde in der Gegend rum gefahren und eine weitere Stunde auf dem Parkplatz zu Hause im Auto gesessen und habe Dinge am Handy recherchiert. Bis er dann gegen 13 Uhr aufgewacht ist. Hmpf...

Ich muss sagen, schon auf dem Weg zum Auto hatte ich ziemlich depresive Gedanken. Ich fühlte mich wirklich fremdgesteuert und alleine mit der Situation. Ich kann an manchen Tagen wirklich gar nichts mehr machen. Ich hasse es, wenn sich alles nur um seinen Schlaf dreht, man sich schier ein Bein ausreißt und das alles aber nicht funktioniert. Das trägt halt echt nicht zur selbstzufriedenheit bei. Aber dann schaue ich ihn an, sehe seine kleinen verweinten Augen, sehe seine Müdigkeit und das Vertrauen in mich - seine Mama - dann kommt sofort ein schlechtes Gewissen! Wie kann ich nur SO denken!? Ich denke damit nur an mich. ICH kann nichts anderes tun, ICH muss zurückstecken, ICH bekomme nichts geschafft.... Ja und!? Dann ist es eben eine gewisse Zeitlang so! Das ist ein Zwiespalt zwischen Kopf und Gefühl.

Klar, wenn man vorher, bevor man Mutter ist, sein Leben selbstbestimmt gelebt hat, gemacht hat was und wann man wollte, viel geschafft hat - 40 Stunden Job, Haushalt, Sport, Hobbys, Ehemann usw. - und von heute auf morgen eben all das erstmal brach liegt, ist es schon eine Herausforderung das zu akzeptieren. Ein Challenge an sich selbst. Es braucht Selbstbeherrschung und Akzeptanz für die Situation. Manchmal ertappe ich mich dabei krampfhaft gefallen an diesem neuen Leben zu finden. Es flutscht halt irgendwie einfach nicht von alleine. Das liegt aber alles nicht an meinem wundervollen kleinen Jungen sondern an mir selbst. 

Er ist so wundervoll. So lebensfroh und neugierig auf die Welt. Ohne ihn möchte ich nicht mehr sein. Das ist klar! Ich muss einfach nur klarkommen eben zurückzustecken. Es wird eine Zeit geben, da werde ich wieder Zeit haben. 

Nach dem Mittagessen sind wir eine Runde spazieren gegangen bevor es wieder regnet und haben kurz was eingekauft. Ich plücke für ihn immer ein Blümchen am Wegrand das er halten darf. Das ist so goldig, er wartet direkt auf sein Blümchen oder auf ein Blatt :-) Ich muss nur aufpassen, dass er die Blume nicht isst. Daher schaue ich immer, dass er den Schnuller drin hat. Wenn er den dann ausspuckt muss ich aufpassen.

Schön zu sehen, dass mein Babyboy schon im Wagen wieder Müdigkeit anzeigt. Es ist bereits 15.30 Uhr. Normalerweise lasse ich ihn nur bis 16 Uhr schlafen. Heute ist alles anders. Heute lege ich ihn um 16 Uhr erst hin. Spannend, wie das heute abend wohl laufen wird? Vielleicht schläft er dann um 22 Uhr oder noch später. Juhu, da freut man sich ja direkt drauf. *Ironie*...

Und so sitze ich nun hier und schreibe diesen Artikel während er schläft. Alles ist still, im Moment keine Action, kein Geräusch außer dem Tastengeklimper. Schön eigentlich. Doch dieser Schatten liegt noch immer über dem Tag. Vielleicht weil ich ihn heute alleine verbringe? Alleine mit meinem Baby, das mich so sehr fordert. 

Plötzlich geht die Wohnungstür auf und mein Mann kommt herein spaziert. Gefolgt von meiner Mutter und meiner Oma. Sie haben Blumen für meinen Balkom dabei. Damit habe ich jetzt nicht gerechnet. Auch mein kleiner Junge wird wach, ich hole ihn dazu und schon verschwindet auch der Schatten. Die Omis und der Papa freuen sich ein wenig mit ihm zu spielen, wir teilen uns die Action, die er verlangt und das macht es sooo viel einfacher. DANKE, das es euch gibt. 

 

Wir dürfen niemals vergessen:

Unser Alltag ist ihre Kindheit!

 

 

Ich bin auf eure Meinungen und Erfahrungen gespannt. Lasst es mich wissen! :)

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