Schon in der Schwangerschaft war mir klar, dass ich mein Baby voll stillen möchte. Doch, bei mehreren Freundinnen hat das Stillen aus verschiedenen Gründen leider nicht so recht klappen wollen. Wenn man einer Mami zuschaut, die schon sehr routiniert ist beim Stillen, kann man sich wirklich nicht vorstellen, dass daran irgendetwas schwierig sein soll. Aber sicher ist sicher, daher habe ich im Vorfeld schon ein bisschen versucht mich darauf vorzubereiten. 

Zum einen war ich bei einer Stillberatung im Krankenhaus und habe dort sogar ein Einzelgespräch mit der Stillberaterin gehabt. Was ich dort mit ihr besprochen hatte hörte sich erstmal gar nicht so wild an. Es ging hauptsächlich um die verschiedenen Stillpositionen. Wir haben uns auch über die verschiedensten Dinge rund ums Stillen unterhalten. Dabei wurde mir auch gesagt, dass sich viele Mamis gestresst fühlen, weil das Baby sehr oft und lange gestillt werden möchte. Probleme beim Stillen wurden eher weniger angesprochen.

Außerdem habe ich mir Bücher aus der Bücherei über das Stillen ausgeliehen und mit meiner Hebamme gesprochen. Die hat mir ebenfalls versichert, dass wir das schon hinbekommen. So war ich auch zuversichtlich und habe mir nicht allzu große Sorgen gemacht. Demnach habe ich auch nicht mit voller Energie das Thema Stillen betrachtet.

Das das Stillen WIRKLICH eine Wissenschaft für sich ist wurde mir erst bewusst nachdem mein kleiner Schatz geboren war.

 

Stillen Baby 3

 

Meiner Meinung nach kann man sich leider gar nicht so richtig vorbereiten. Das gesamte theoretische Wissen ist zwar schön und gut und auch wichtig zu wissen, aber es hilft einem in der Praxis leider nicht wirklich. Denn es ist eine körperliche Sache die man lernen muss. Und zwar beide! Das ist der Knackpunkt.

Das hätte ich gerne vorher gewusst:

Inkompetenz

Die sogenannten Expertinnen haben vermutlich größtenteils theoretisches Wissen. Denn wenn es wirklich Probleme gibt können sie doch nicht helfen. Im Krankenhaus z.B. sah die Hilfe so aus, dass die Brust gepackt und der Kopf des Babys dran gedrückt wurde. Zum einen ist das packen und zerren echt schmerzhaft, so dass man schon nach einem Tag eine schmerzende Brust und eigentlich gar keine Lust mehr aufs Stillen hat. Zum anderen hatte ich echt Angst, die Brust auf diese Art meinem Baby zu vermießen. Ich finde, trotz dass Hebammen und Krankenschwestern keine Zeit haben und das Personal knapp ist, sollte bei einem solchen wichtigen Thema doch mit ein bisschen mehr Einfühlungsvermögen und Geduld geholfen werden.

Ich will nicht wissen wieviele Stillbeziehungen diese "Expertinnen" da so auf dem Gewissen haben.

Das Baby muss erstmal lernen wie man isst

Es heißt ja, dass ein Baby direkt nach der Geburt einen Instinkt hat die Brust zu suchen und zu saugen, wenn man es auf dem Bauch liegen hat. Ich kann mich nicht mehr sooo genau erinnern was nach der Geburt alles war. Ich weiß aber, dass ich im Vorfeld schon gesagt hatte, dass ich ihn direkt anlegen möchte und mir dabei gerne geholfen werden soll.

Ich musste jedoch die Hebammen im Kreißsaal mehrfach bitten mir jetzt doch endlich zu helfen ihn anzulegen. Es hat dann auch nur mäßig funktioniert. Und genauso in der Nacht und die Tage danach.

Woran lags aus heutiger Sicht?

Zum einen lag es sicherlich daran, dass eben noch kein Milcheinschuss da war und die Vormilch von der Menge her eben einfach wenig ist und es auch ein paar kräftige Züge braucht bis überhaupt mal was kommt. Mein Baby war sehr schnell frustriert als nicht direkt was kam und hat angefangen die Brust anzuschreien anstatt weiter zu saugen.

Zum anderen wusste mein kleiner Schatz nicht, dass er den Mund zum essen auf machen muss und hat ständig mit zuenem Mund seine Unterlippe eingesaugt. Es war also auch nicht so einfach ihn dazu zu bewegen genügend Brust in den Mund zu nehmen, dass das mit dem essen auch klappt.

 

Stillen Baby 1

Das Stillhütchen-Dilemma

Dadurch, dass wohl meine Brustwarze zu klein ist und mein Baby noch nicht richtig essen kann wurde mir ein Stillhütchen „verordnet“. Dadurch bekommt das Baby einen deutlicheren Reiz und hat gleich mehr im Mund. Er hat es auch tatsächlich besser geschnallt also ohne.

Ich konnte mein Baby nun eher dazu bewegen den Mund weit zu öffnen und das Saugen ist ihm offenbar nicht mehr so schwergefallen.

Doch als der Vorschlag für ein Stillhütchen kam war ich erstmal überhaupt nicht begeistert. Aber was sollte ich machen!? Ich wollte ja das es klappt und ich hatte eben auch keine bessere Lösung parat.

Ich bin das Teil übrigens auch erst 4 1/2 Monate später wieder los geworden. Ich habe es immer wieder ohen Stillhütchen mit ihm geübt und auf einmal hat er es verstanden. Zum Glück,denn es ist einfach nur nervig auf ein Stück Gummi angewiesen zu sein. Wenn man es mal vergisst mitzunehmen ist man sowas von aufgeschmissen!! Plötzlich kann man sein Baby nicht mehr versorgen! Zudem muss man es immer vorher an die Brust hin pfriemeln. Dann hält es nicht richtig, eine falsche Bewegung von mir oder dem Baby und das Teil fliegt durch die Luft…. und zudem will es regelmäßig gut gereinigt und ausgekocht werden.

Natürlich ist es besser mit Stillhütchen zu stillen als gar nicht. Deshalb empfehle ich die Investition in "gescheite" Stillhütchen. Man kann zwar auch die vom Krankenhaus sammeln und zu Hause reinigen und auskochen, aber es kann sein, dass die qualitativ nicht so gut sind, was es um einiges schwerer macht. Vor allem wenn noch die Routine fehlt. Ich habe mir die Stillhütchen von Medela* gekauft. Das sind zwei Stück. Praktisch ist, dass da auch gleich ein Etui dabei ist. So habe ich immer eins in der Wickeltasche und eins für zu Hause.

Medela Stillhütchen*

 Stillhuetchen

 

 

 

 

 

 

Frust beim Baby

In den ersten Tagen, wenn der Milcheinschuss noch nicht da war, ist es für das Baby doppelt anstrengend zu trinken. Mein kleiner Schatz war wie schon gesagt immer ganz arg frustriert, wenn nicht gleich nach zweimal saugen Milch kam. Und so hat er es nur kurz versucht (dank Stillhütchen hat er wenigstens überhaupt gesaugt), dann direkt aufgegeben und ganz panisch angefangen die Brust anzuschreien. Toll… So konnte es ja echt gar nix werden.

Wir haben ihm dann – ganz umständlich – mit einem Röhrchen Fertigmilch in den Stillhut befördert, damit er direkt ein Erfolgserlebnis hat und nicht aufhört zu saugen bis dann schließlich meine Milch kommt. Das hat zumindest manchmal ganz gut geklappt. Manchmal hat er aber auch einfach nur das Stillhütchen leer getrunken und nicht stark genug weiter gesaugt. Ich glaube er hat oft einfach nur diese doofe Fertigmilch getrunken…

Frust bei mir

Dadurch, dass das alles so schwierig war und echt ein Kampf bis das Kind mal satt war, war ich natürlich auch sehr gefrustet. Ich hatte sogar schon richtig Angst davor, wenn sich bei meinem Baby wieder der Hunger gemeldet hat. Ich habe es dann kurz versucht ihn anzulegen und war dann insgeheim froh, wenn ich ihm ein Fläschchen zufüttern konnte.

Ich persönlich fand es extrem belastend, wenn es nicht gleich richtig funktioniert hat. Irgendwie habe ich mir unbewusst totalen Druck gemacht. Fast so, als müsse mein Baby verhungern, wenn es nicht klappt. Vom Verstand her wusste ich natürlich, dass das Blödsinn ist. Denn auch mit Pre-Milch wärs gegangen. Das Unterbewusste macht sich da irgendwie selbstständig. Und die ganze Hormonlage macht es auch nicht besser, wenn man, so wie ich, in dieser Zeit extrem nah am Wasser gebaut ist.

Das ist eins der Gefühle, die man sich schwer vorstellen kann, wenn man es nur erzählt bekommt. Man spürt es aber deutlich, wenn man in der Situation steckt. Wobei natürlich alles Typsache ist und eben jeder anders fühlt.

Die Stillposition

Ja, die Stillposition…. Sieht so einfach aus, aber ist so tückisch! Ich habe mit der Wiegeposition angefangen.

Vorstellung: Erstmal gemütlich hinsetzen, (Still-) Kissen* hin und dann das Kind andocken. (Ich habe mir ein sehr festes Stillkissen bestellt, da man hier sehr viel mehr Halt hat).

Festes Stillkissen*

 Festes Stillkissen

 

 

 

 

 

 

Realität: Gemütlich hinsetzen – das Baby wird schon unruhig, weil es zu lange dauert. Dann das Kind hochnehmen – wenn man alleine ist und niemand einem das Baby reichen kann ist die gemütliche Position schnell wieder dahin… Dann andocken – moment, erstmal das Stillhütchen aufsetzen – schwupp, die Hand des Babys hat reflexartig gezuckt und das Hütchen ist weg geflogen… OK, wieder aufsetzen, aber es klebt nun nicht mehr. Mist! Ein guter Tipp: Nass machen. Also mit Baby auf dem Arm das Hütchen in eine Tasse Wasser tauchen und wieder aufsetzen (natürlich muss man vorher dran denken sich eine Tasse Wasser bereitzustellen – und man muss in dieser Position auch dran kommen). 

So, jetzt schnell andocken. Wenn das Baby den Mund gleich auf macht geht’s auch ganz gut. Allerdings ist jetzt das Kissen unter dem Arm schlecht positioniert! Man soll ja die Schulter lockerlassen können. Also wieder am Kissen rumnesteln... Bis dann alles mal sitzt kommt man anfangs schon mal ins Schwitzen.

Wenn’s blöd lief musste ich nach dem Stillen das Baby und mich umziehen, weil z.B. das volle Stillhütchen hochgeklappt ist. Ist natürlich noch blöder, wenn das Baby beim Stillen schön eingeschlafen ist…

 

Tipps - Stillhütchen vor der Verwendung nass machen
- Ein Spucktuch zwischen Baby und sich selbst legen - gegen die Nässe

 

Wie kams, dass es dann doch geklappt hat?

Ich habe in den ersten Tagen zu Hause noch abgepumpte Milch mit der Flasche zugefüttert, weil ich das Stillen nicht so richtig hin bekommen habe. Doch leider hatte mein kleiner Schatz immer eine halbe Stunde nach dem Essen Bauchweh und hat geschrien. Wahrscheinlich hat er durch das Trinken aus der Flasche Luft geschluckt.

An einem Sonntag war es besonders schlimm und ich habe beschlossen nur noch zu Stillen! Egal, ob ich Angst davor hatte oder nicht. Ich wollte einfach nicht mehr, dass er sich so quälen muss. Und siehe da, nachdem ich konsequent die Flaschen weg gelassen hatte, hatte er viel weniger Bauchweh und das Stillen hat auch immer besser funktioniert.

 

Stillen Baby 2

 

Man darf niemals aufgeben! Es wird funktionieren. Es kann dauern. Beide müssen es erstmal lernen. Kopf hoch :)

 

Übrigens: Meine Kinderärztin hat mir geraten nur alle 3-4 h zu stillen. Zum Glück bin ich diesem „tollen“ Ratschlag nicht nachgegangen. Denn so kann es leicht passieren, dass die Milch aus geht! Stillt euer Baby nach Bedarf. Immer wenn es möchte und so lange es möchte.

Heute, nach ein paar Monaten, hat sich alles so schön eingependelt. Wir haben eine wirklich schöne Stillbeziehung und es macht wirklich richtig Spaß. Manchmal liegt er in meinem Arm, schmatzt zufrieden, dockt kurz ab um mich anzulächeln und trinkt dann weiter. Ich bin sehr froh, dass ich es trotz aller Hürden durchgezogen habe. 

Wir sind im Moment dabei, die nähste Herausforderung zu meistern. Die Beikost =) und witzigerweise ertappe ich mich dabei wie ich denke das wird nie was... Natürlich ist das Blödsinn. Bisher hat schließlich jeder Mensch das Essen gelernt. 

Ich freue mich über eure Erfahrungen beim Stillen! Hat es gleich geklappt oder hattet ihr Probleme? Was hättet ihr gerne vorher gewusst?

 

 

 

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